Innere Beweggründe und äußere Umstände

So unterschiedlich die Motive sind, sich ein altes Schloss, eine alte Villa, ein altes Bauernhaus zuzulegen, so unterschiedlich sind auch die Ansätze für die Herrichtung und spätere Nutzung eines solchen Gebäudes. Und ebenso unterschiedlich sind das Vorwissen und natürlich auch die zur Verfügung stehenden Mittel.

Den Rahmen jeglicher Veränderung setzen natürlich Baurecht und Bauordnung sowie das Gebäudeenergiegesetz. Bei denkmalgeschützten Objekten müssen alle Maßnahmen zudem mit der zuständigen Behörde abgestimmt werden. Dennoch bleiben Spielräume. Ein Bauernhaus könnte in den Zustand der Entstehung zurückversetzt werden (mit originalen Materialien in traditioneller Herstellungsweise und ohne neuzeitliche Anpassung der Infrastruktur) oder es könnte – in zähen Verhandlungen mit der Denkmalpflege – im Innen- und rückwärtigen Außenbereich stark verändert und völlig neuen Verwendungszwecken zugeführt werden. Zwischen beiden Polen gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.

Aber was ist sinnvoll?

1. Das Problem der „reinen Urform“
Ein privates Bauernhaus exakt so wiederherzustellen, wie es zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung aussah, scheint mir ebenso „nutzlos“ wie ahistorisch. Schließlich bleibt kein Haus so, wie es von Anfang an war.
Das ist auch bei ‚Kreitzenhaus‘ der Fall. Schon in den ersten Jahrzehnten nach Fertigstellung werden Türen, Fenster, Böden und vieles mehr „erneuert“, es wird sogar um- und (möglicherweise) angebaut. Ein Beispiel ist die ehemalige Futterküche hinter der Scheune, die zur Hausküche wird und den Harst (offene Herdstelle) im hinteren Flur ersetzt. Glücklicherweise stehen die damaligen Renovierungsmaßnahmen im Saarland in der Regel noch in der regionalen Bautradition, so dass „phantasievolle“ Knaubereien dem Bauernhaus erspart bleiben. Die „moderne“ Terrazzo-Treppe aus den Wirtschaftswunder-Zeiten vielleicht ausgenommen…(Mehr dazu unter "Details")
Daneben kommen allmählich auch Technik und Infrastruktur in die Dörfer. So gibt es ab Anfang der 1920er Jahre „elektrisches Licht“ in Reimsbach und im Kreitzenhaus. Um die gleiche Zeit beginnt auch der Ausbau eines Trinkwassernetzes im Haustadter Tal, das die hauseigenen Brunnen ersetzt. Bis auch die Abwässer nicht mehr in Sickergruben (bzw. die „Mischdkaul“) oder über Straßenrinnen fließen, dauert es nochmal Jahrzehnte.
Wenn ein solchermaßen gewachsenes Haus also in seine bauzeitliche Urform zurückgeführt würde, wären diese historisch und lebenspraktisch wichtigen Veränderungen unweigerlich ausgelöscht und verloren. Abgesehen davon, dass für „einfache“ Häuser jener Zeit in der Regel keine Baupläne existieren. Vielmehr müssten Bauherren, Architekten und Handwerker in etlichen Fällen spekulieren, „wie es denn ursprünglich ausgesehen haben könnte“. Damit würde möglicherweise die Kopie eines Originals entstehen, das es so vielleicht nie gab.
Nutzbar wäre das Bauernhaus in seiner Urform auch nur als Museum.

2. Das „eingefrorene“ Bauernhaus
‚Kreitzenhaus‘ wird die letzten Jahrzehnte vor dem Verkauf nur noch von einer ledigen Tochter der Familie bewohnt, die keine größeren Veränderungen mehr vornehmen will/kann. Bei ihrem Tod 1985 gibt es einen(!) Wasseranschluss (in der Küche), ein Außen-Plumpsklo (direkt neben der alten Mistgrube) und ein altersschwaches Stromnetz mit jeweils zwei stoffummantelten Drähten und einem Zähler mit einer Sicherung..

Kuechenofen
Geheizt und gekocht wird mit Kohleöfen – wie dem legendären „Bartz“ aus der Dillinger Ofenfabrik. Als „Kühlschrank“ dient ein Felsenkeller im Hang hinter dem Haus.
Hätte ich das Haus nach dem Kauf in dem Zustand belassen, in dem es war, es also Stand 1985 „eingefroren“, wäre es prinzipiell bewohnbar aber nicht zeitgerecht nutzbar gewesen. Aufgrund bestehender Mängel hätte sich der Zustand außerdem weiter verschlechtert. Der Erhalt des Status quo als „Bauernhausmuseum anno 1985“, hätte meines Erachtens ebenfalls keinen Sinn gemacht, weil in diesem Jahr keine historische Zäsur stattfand beziehungsweise keine relevante Zeitspanne begonnen oder geendet hatte.

3. Alles hat seine Zeit…
Unser Anliegen Mitte der 1980er Jahre ist es, ein Südwestdeutsches Kleinbauernhaus, wie es früher typisch für die Region war, heute aber in den Dörfern kaum noch als solches erkennbar ist, zu „retten“ und dabei gleichzeitig als zeitgemäßes Zuhause aufzuwerten. Ein ambitioniertes Unterfangen, wie man auch auf diesen Seiten sehen kann…